Max Herfert: Die Neue Häßlichkeit

Vorwort des Verlegers

Max Herfert ist zweifellos ein Multitalent: als Musiker, Boxsportler sowie als Maler und Bildhauer. Auf jedem dieser Felder hat er beachtliche Erfolge vorzuweisen, die er nicht zuletzt einem weiteren seiner Talente verdankt, einem angeboren scheinenden Geschick im Umgang mit den Medien, das man heute gern Selbstvermarktung nennt. Dabei staunt er doch selbst in aller Unschuld über die Beachtung, die ihm - wie ich meine, berechtigt - zuteil wird. Doch seine größte Gabe ist wohl - bei aller Melancholie - sein Humor, mit dem er über all diese sogenannten Erfolge schmunzelt, ist er - der ehemalige Philosophiestudent - doch wahrscheinlich in seinem Innern vom Applaus der Menge unabhängig.
Da steht er: der Hüne mit dem Herzen eines Schuljungen, der in lebensvollster Weise gleich mehrere Extreme verbindet zu einem imposanten gordischen Knoten, den noch kein Medien-Alexander durchgeschlagen hat: die Extreme der Aggression (sportlich sublimiert) und der Sanftmut (man muss ihn reden hören, um zu ahnen, was ich meine), archaische Brutalität und Zärtlichkeit (seinen Hund hat er aus einem Labor gerettet), eine an die Bergpredigt erinnernde seligmachende Kindlichkeit gepaart mit einem furchterregenden Killerinstinkt, da kommt Naivität zu Raffinesse, Körperbetontheit zu Geistigkeit, Provokation zu Allversöhnung. Er ist bekennender Wichser, ehemaliger Bordellgänger, aber auch treuer Ehemann. Und die Nutten bezahlte er zwar, aber nicht so, dass er sie anschließend verachtete. Kurz: Der Mann hat keinen Komplex - er ist einer, und zwar ein sehr komplexer Das Schwäbische Tagblatt nennt ihn "die personifizierte Mixtur aus Mutter Theresa, Jimi Hendrix, Mike Tyson und Hölderlin". Ja, er ist ein Heiliger der Selbstverwirklichung. Und er verkörpert gar die aktuellste Form des Mythos von Sisyphos: Dieser musste - als Strafe, die ihm die Götter auferlegten - einen schweren Felsblock unendlich oft bergauf rollen, wohingegen Herfert sich selbst 100.000 Liegestütze in acht Monaten verordnet und sich freiwillig mit all den Trainingswiederholungen moderner Athletik plagt. Doch während Sisyphos - so das von Camus geprägte existentialistische Paradigma des 20. Jahrhunderts - sich mit der Sinnlosigkeit seines Tuns abfinden muss, zieht Herfert aus seiner Schinderei Gewinn in Form höherer Fitness. Der Sisyphos des dritten nachchristlichen Jahrtausends also sieht in Widerständen geistiger oder körperlicher Art Sparringspartner für sein persönliches Wachstum.
Doch die Spannbreite dieses neuen Helden macht ihn auch suspekt, ausgerechnet ihn, den Totalidentischen, der insofern Künstler ist, als er keine Facette an sich verleugnet und so sein eigenes Leben zum Gesamtkunstwerk macht. Seine eingestandene Neigung zum Exhibitionismus macht eigentlich ihn selbst zum einzigen Gegenstand der Kunstausstellung, englisch "exhibition", die sein Leben seit einigen Jahren ist.
Gerade sein Modellcharakter verschafft ihm in einer von außen gelenkten Gesellschaft Beachtung, paradoxerweise vermittelt durch Medien. Denn die Moderne ist eine Medio-kratie, die "Herrschaft der Medien«, aber auch die "Herrschaft des Mittelmaßes". Ich bin daher gespannt, wie sich das interaktive Verhältnis zwischen Max, der gerne mit einem gewaltigen Rauschen "einherfert", und den Medien in der nächsten Zukunft gestalten wird.

Thomas Leon Heck
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